Open Banking Blog 7: Chancen und Herausforderungen für sich öffnende Banken

Diese Blogreihe basiert auf einem Information Paper “Understanding the business relevance of Open APIs and Open Banking for banks“, das Innopay in enger Zusammenarbeit mit der EBA Association erstellt hat. Das vollständige Dokument ist unter folgendem Link in englischer Sprache abrufbar. (Link)

Der vorherige Blog skizziert das Konzept und die diversen Dimensionen des ‘Open Bankings’. Dieser Blog liefert eine Zusammenfassung aktueller Beobachtungen bezüglich der Haltung von Banken hinsichtlich Open Banking.

Wenn Banken sich öffnen

‘Sich öffnen’ ähnelt den Erfahrungen eines ‘First Mover’ außerhalb der Finanzindustrie des letzten Jahrzehnts und bietet große Chancen in einer anspruchsvollen Umgebung. Dieses Umfeld kann folgendermaßen charakterisiert werden:  

  1. Nulltoleranz für Fehler. Reputations- und Sicherheitsrisiken aufgrund der Rolle in der Ökonomie als wesentliche Infrastruktur. DieSicherung von Geldmitteln und von persönlichen Daten sowie das ‘Transaction Banking’ können als Kernkompetenzen einer Bank angesehen werden. Als Anbieter einer zentralen Infrastruktur erfahren Banken zusätzlichen Druck im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung und Veränderungen umfangreicher Operationen sowie diese mit den Anforderungen einer ständigen Verfügbarkeit in Einklang zu bringen.

  2. Banken arbeiten in einem strengen und wandelnden, regulatorischem Umfeld. Obwohl die Strategiepläne und bevorstehenden Regelungen deutlich an die Banken kommuniziert wurden, sind ihre Interpretation, ihr Verständnis der strategischen Konsequenzen und die möglichst effiziente Realisierung der Compliance zeit- und kostenintensive Prozesse.

  3. Banken haben ihre kundenbezogene (Vertriebs-) Aspekte schon seit den frühen Jahren des Internets digitalisiert. Dies erwies sich als schwierig in Anbetracht der hochindividuellen, überlappenden und zusammenhängenden IT-Infrastrukturen, welche nicht unbedingt ‘parallel digitalisiert’ wurden. Diese Komplexität macht die Anpassung und Erhaltung dieser Infrastrukturen kostspielig.

‘Sich öffnen’ innerhalb des oben beschriebenen Umfelds bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, die einhergehen mit der Chance neue Produkte und Services sicher auf einem innovativen Weg anzubieten. Der nächste Abschnitt fasst die wahrgenommenen Herausforderungen und Chancen, die mit der Öffnung einer Bank in Verbindung gebracht werden, zusammen.

 

Herausforderungen für Banken, die sich öffnen

Drei Herausforderungen sind für Banken bei der Öffnung von besonderer Bedeutung:

Herausforderung 1: Das Risiko der Disintermediation durch Drittparteien

Die Kundenbindung könnte unter Druck geraten, weil damit zu rechnen ist, dass ‘Open Banking’ in Kürze die „neue Normalität“ für manche Kundengruppen werden könnte. Jedoch geht die Öffnung mit dem Risiko einer beschleunigten Disintermediation der Bankenrolle als der ‘de facto’ finanzielle ‘Service Provider’ einher. Das könnte zu einem Teilverlust der Kundenbeziehungen und damit einhergehend zu weniger ‘Cross-Selling’ Möglichkeiten führen.

Herausforderung 2: Risiko der Reputation und Markenvertrauen

‘Open APIs’ bringen eine große Anzahl sicherheitsrelevanter Herausforderungen mit sich sowie potentiell betrügerische Drittparteien, digitale Eingriffe, Personifizierungen, unerlaubten Gebrauch von Daten und Datenschutz der Kunden. Die Sicherstellung von Geldern und persönlichen Daten für Verwahr- und Transaktionsdienste sind Grundvoraussetzungen für die Finanzindustrie. Aus der Sicht der Kunden ist Vertrauen der gemeinsame Nenner und die Basis dieser Produkte. Die Reputation einer Bank hängt davon ab, wie vertrauenswürdig die Kunden die Dienstleistungen einschätzen. Die Auswirkungen der PSD2 ‘Access-To-Account’ Richtlinien werden weiterhin die Aufmerksamkeit der Kunden gegenüber Dateneigentum und Sicherheit vergrößern. Darum müssen sich Banken überlegen, wie sie ein ‘Governance’ Kontrollmodell ausarbeiten, um sicher zu gehen, dass teilnehmende Drittparteien nicht ihrer Reputation schaden.

Herausforderung 3: Der Wandel als Herausforderung

In technischer Hinsicht werden Banken mit der Herausforderung konfrontiert die API Funktionalität zur Verfügung zu stellen. Damit wird vor allem die IT Infrastrukturen zu Drittparteien gemeint, während man die eigenen operationellen Standards aufrechterhalten muss. Das existierende Leistungsvermögen, die Betrugserkennung, der KYC sowie allgemeine Sicherheits- und Transaktionsüberwachungs-Standards müssen aktualisiert werden, um die Sicherheitsbedenken zu berücksichtigen. 

 

Die vom Umsatz betroffenen Aspekte des ‘Open API’ stellen eine Reihe von Herausforderungen an Banken. Wenn eine Bank innerhalb eines kurzen Zeitraums die relevanten Versprechen nicht wahrmachen kann, wird es Wettbewerbs-Konsequenzen geben, da ‘Fintech’ Unternehmen viel schneller agieren können. Diese Konsequenzen könnten zu einem Rückgang der Kundenbasis führen mit der Auswirkung, dass Banken nicht mehr in der Lage sind von den Größenvorteilen zu profitieren. Dadurch werden Banken, deren Geschäftsmodell auf einer hohen Skalierbarkeit basiert, einen verstärkten Kostendruck erfahren.

Die technischen Herausforderungen und die Herausforderungen, die durch den Wandel des Wertversprechens einer Bank entstehen, können auch als organisatorische Herausforderungen beschrieben werden, mit denen Banken konfrontiert werden, die auf dem Weg sind digitale ‘Service Provider’ zu werden. Diese Herausforderungen umfassen Probleme in Bezug auf bürokratische Silos, den Widerstand zur Veränderung, der interne Fokus und unterschiedliche Meinungen bezüglich einer geeigneten Strategierichtung. Eine weitere Herausforderung wird die Zusammenarbeit und Konfliktbeilegung mit Drittparteien sein.

Auf der Industrieebene werden die Veränderungen, die mit ‘Open APIs’ verbunden sind, auch die aktuellen Geschäftsmodelle beeinflussen. Das erfordert einen industrieübergreifenden Dialog, bei dem gemeinschaftliche Aspekte des ‘Open Banking’ definiert werden sollte. Da es grundsätzliche Unterschiede im Kundenverhalten, bei der Interpretation von Regularien durch Mitgliedsstaaten und in der technischen Infrastruktur auf der nationalen Ebene gibt, wird dieser Dialog höchstwahrscheinlich auf einer nationalen Ebene, in Koordination mit einem europaweiten Konzept, stattfinden. 

Chancen für Banken, die sich öffnen

‘Open Banking’ liefert auch eine Anzahl von Chancen für Banken.

Chance 1: Verbesserte Service-Innovationen

Durch die Öffnung haben Banken die Möglichkeit ihr jetziges Dienstleistungsangebot auf zwei verschiedene Weisen zu verbessern.

  • Das jetzige Angebot ausweiten: Die Ausweitung der jetzigen Produkte und Services jenseits der Bezahl-und Kontodienstleistungen, wie z.B. in Richtung der Leistungen im Bereich ‘Digitale Identität‘.
  • Neue Wege einschlagen: Den Vorteil des Teilens und der Ansammlung von Kundendaten aus verschiedenen Konten nutzen und diesen mit existierenden Daten von Partnerbanken und/oder ‘Fintech’ Unternehmen anreichern. Mithilfe von verbesserter Datenanalysen kann es zu einer Aufwertung der Produkte und Dienstleistungsinnovationen führen.

Chance 2: Größerer und verbesserter Absatz

Die Ungewissheit rundum die zu erbringenden Dienstleistungen halten Banken davon ab, ihr Produktangebot auf digitalen Plattformen anderer Banken oder Drittparteien anzubieten. 

Ein standardisiertes Provisionsmodell für gemeinsame Dienste wird schon bei der Öffnung innerhalb eines ‘Open Banking’-orientierten Umfelds angeboten. Dieses Modell kann dazu benutzt werden, mehr Produkte und Dienstleistungen über mehrere Plattformen und Geräte zusammen mit anderen Banken und/oder ‘Fintech’ Unternehmen zu vertreiben.

In der Software- und Telekommunikationsindustrie wird das Verfahren, bei dem Kunden eine große Anzahl verschiedener Services für einen vereinbarten Tarif angeboten bekommen, ‘Bundling’ (eng. = Bündelung) genannt. Innerhalb des ‘Open Banking’ Umfelds kann ‘Bundling’ jetzt einfach als Medium verwendet werden, mit dem Produkte und Services an den Kunden gebracht werden. Es erlaubt den Kunden bei einer Reihe von spezifischen Produktangeboten wählerisch zu sein (möglicherweise bei unterschiedlichen Banken und ‘Fintech’ Unternehmen). Dabei wird die Kundenrelevanz durch individuelle Kundenanpassungen vergrößert.

Chance 3: Verbesserte Risikominderung

Ein standardisiertes Konzept zum Vertrieb von Produkten und Services erfordert ein standardisiertes Konzept für die Sicherheit. So können Banken ihren Markennamen als vertrauenswürdige und sicher hervorheben, während sie von einer größeren Reichweite profitieren. Es wird erwartet, dass der angestrebte Austausch von Informationen zwischen Banken auch Maßnahmen der Entscheidungsfindung und Schadensminderung bezüglich Betrugsprävention, KYC und ‘Anti-Money Laundering’ (AML) (eng. = Geldwäschebekämpfung) verbessert.

Wichtige Feststellungen zu ‘Open Banking’

Die vorangegangenen Kapitel haben beschrieben, was ‘Open APIs’ und ‘Open Banking’ sind und wie sich Entscheidungsträger im Finanzdienstleistungssektor bezüglich der bevorstehenden Veränderungen positionieren können. Die wichtigsten Feststellungen können wie folgt zusammengefasst werden:

  1. ‘Open APIs’ könnten den Weg für ‘Open Banking’ ebnen. Die aktuellen ‘Fintech’ Entwicklungen und die parallele Einführung der PSD2 Richtlinien haben die Diskussionen zur Öffnung von Banken, durch z.B. die Nutzung von ‘Open APIs’, für die Ermöglichung von ‘Open Banking’ Geschäftsstrategien, angeheizt. Es sind mindestens zehn Gemeinschaftsinitiativen zum Thema ‘Open APIs’ und ‘Open Banking’ entstanden, wobei keine von Banken vorangetrieben wird.
     
  2. ‘Open Banking’ hat Einfluss auf existierende Prozesse für Produkte und Vertrieb. Produkt- und Vertriebsstrategien gehörten schon immer zu den Kernaufgaben einer Bank. ‘Open Banking’ und die damit verbundenen digitalen Technologien liefern neue Chancen und Herausforderungen hinsichtlich des Maßstabs und des ‘Scopes’ für Produkte und deren Vertrieb im digitalen Zeitalter.
     
  3. Banken müssen eventuell strategische Entscheidungen in ihrem Umgang mit ‘Open Banking’ treffen. Banken werden herausgefordert ihre eigenen, einzigartigen Verkaufsargumente zu finden und zum Ausdruck zu bringen, um Werte in einer offenen Geschäftsumgebung mitzugestalten. Banken müssen ihre Strategien in Bezug auf Produkte und deren Vertrieb überdenken. Ebenso müssen sie neue Geschäftsmodelle untersuchen, die über das aktuelle Angebot hinausgehen.
     
  4. API Industrie-Standards könnten den Gewinn und Wert von ‘Open Banking’ maximieren, wenn sie nicht nur als rein technische Standards betrachtet werden. Standards sind erforderlich um Interoperabilität zu schaffen und eine kosteneffiziente und einfache Integration zu ermöglichen. Das Akzeptanzniveau von API Standards in der Industrie ist der Schlüssel zum Erfolg und wird vom ‘Scope’ der (individuellen, gemeinschaftlichen, industriellen und universellen) Benutzergruppen bestimmt, welche den Standard definieren. Genauso wichtig ist der ‘Scope’ der Standardisierung (z.B. technisch, funktionell, operationell und rechtlich). Finanzdienstleistungen erfordern Sicherheit, Datenschutz und Compliance, darum muss sich die API Standardisierung über den technischen und funktionellen Aspekten hinaus entwickeln und auch rechtliche, operationelle und ‘Governance’-bezogene Aspekte miteinbeziehen. Zu guter Letzt könnte der Gebrauch von Standards die Gesamtinvestition und das Risiko je Institution reduzieren.
     
  5. ‘Open Banking’ mit standardisierten ‘Open APIs’ als Grundlagentechnologie steckt immer noch in den Kinderschuhen. In Anbetracht der aktuellen Entwicklungen kann eine schnelle und gemeinschaftliche Entwicklung erwartet werden. Das könnte die Voraussetzungen für einen industrieübergreifenden Dialog schaffen, bei dem Interessenvertreter von Banken und Nicht-Banken involviert sind. 

Der Zahlungsverkehrsindustrie steht eine spannende und prägende Phase bevor. Neue Strategien, teilweise bestimmt durch Vorschriften und teilweise angetrieben durch Chancen, müssen basierend auf dem sich wandelnden Konsumentenverhalten entwickelt werden.

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